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Buchkritik zu „Überzeugt! Wie Sie Kompetenz zeigen und Menschen für sich gewinnen“ von Jack Nasher

Jack-Nasher

Ob vor der eigenen Familie, dem Freundes- und Bekanntenkreis oder besonders vor Arbeitskollegen und Vorgesetzen – eigentlich möchte der Mensch jederzeit als selbstsicher und vor allem kompetent wahrgenommen werden. Doch die wahre Kompetenz eines Menschen muss nicht zwangsläufig deckungsgleich sein mit der ausgestrahlten. Im Gegenteil, die wahrgenommene Kompetenz ist zumeist wesentlich bedeutender und ausschlaggebender als Aspekte wie Können, Wissen oder Erfahrung.

Lieber Schein als Sein?

Im Spiegel-Bestseller Überzeugt! Wie Sie Kompetenz zeigen und Menschen für sich gewinnen geht der bekannte Verhandlungsspezialist und Buchautor Prof. Dr. Jack Nasher nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern vor allem überaus unterhaltsam auf zahlreiche Beobachtungen und Tricks ein, die sich mit der wahrgenommenen beziehungsweise ausgestrahlten Kompetenz eines Menschen befassen.

Der Autor Jack Nasher nutzt seine Expertise aus Bereichen wie der Sozial- oder der Kognitionspsychologie auf, um sich dem großen Komplex der empfundenen Kompetenz von unterschiedlichen Seiten zu nähern. Dabei erläutert er diverse bedeutende Aspekte, etwa das eigene körperliche Erscheinungsbild oder verbale und nonverbale Kommunikation, sowie deren Zusammenspiel und Dynamik.

Obwohl die Basis seines Werkes primär wissenschaftlicher Natur ist, umschifft Nasher mit Bravour das Hauptproblem, welches sich in vergleichbaren Büchern oftmals als Anlass zur Kritik erweist – ein Sich-Verlieren in wissenschaftlichen Details, Aufzählungen und eine damit oftmals dröge sowie schwer lesbare Präsentation potenziell interessanter Fakten.

Stattdessen schafft es Nasher, seine Beobachtungen, Erfahrungen und zahlreiche wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse sehr lebendig und anhand vieler nachvollziehbarer Beispiele erzählend zu beschreiben. Zu keiner Zeit fühlt man sich als Rezipient von Überzeugt! Wie Sie Kompetenz zeigen und Menschen für sich gewinnen überfordert oder gar gelangweilt.

Positiv kommt hinzu, dass Nasher sein Buch in acht Hauptkapitel eingeteilt hat, welche genau die richtige Länge haben und auch nach einer längeren Lesepause einen schnellen Wiedereinstieg in das Werk erlauben. Zudem fasst er zum Ende eines jeden Kapitels dieses noch einmal kompakt zusammen, was dem Lesefluss und Verständnis definitiv zugutekommt – ganz egal, ob er sich dabei zuvor auf verbale und nonverbale Kommunikation, Statussymbole oder Competence Framing bezogen hat.

Jack Nashers Werk ist erstmals im Februar 2017 als gebundenes Buch (256 Seiten; Campus Verlag) und im Mai 2019 als Taschenbuch (320 Seiten; Goldmann Verlag) veröffentlicht worden. Hier findet der Leser nach dem Vorwort und den acht Hauptkapiteln des Buches nicht nur ein Nachwort und weitere persönliche Anmerkungen, sondern auch eine konkrete „Gebrauchsanweisung“, mit welcher sich das Gelesene auch praktisch im Alltag integrieren lässt.

Die finale Kritik: Eine klare Empfehlung für Jack Nashers kompetentes Werk zur Kompetenzdarstellung in Beruf und Alltag

Nashers lebendige Mischung aus praktischen Verhaltenstipps, wissenschaftlicher Theorie und Story Telling mit unterhaltsamen Anekdoten erinnert dabei auch an seine beiden zuvor veröffentlichten Werke Entlarvt! Wie Sie in jedem Gespräch an die ganze Wahrheit kommen (2015) und Deal! Du gibst mir, was ich will (2013). Auch ohne wirkliche Vorkenntnisse lesen sich Nashers Werke quasi „einfach so runter“ und bleiben trotz der oftmals recht komplexen Hintergründe dabei jederzeit unterhaltsam und verständlich.

Die Kritik zu Jack Nashers Buch fällt dabei auch in anderen renommierten Publikationen überaus positiv aus. So schreibt das Handelsblatt in ihrer Buchkritik: „Jack Nasher zeigt, wie jeder an seiner Eigendarstellung arbeiten kann – und warum der Schein wichtiger als das Sein ist.“ Auch die WirtschaftsWoche oder BILD gehen in ihren Kritiken wohlwollend auf das Werk, welches auch als von Nasher selbst eingesprochenes Hörbuch erhältlich ist, ein und betonen die Bedeutung Jack Nashers als den Verhandlungsspezialisten der Gegenwart.

Weitere Informationen und Links zu Jack Nasher

Kollmer/Ketterling/Kollmer – Kommentar zur Baustellenverordnung (BaustellV) – 3. neu bearbeitete Auflage

Eine Rezension:

Im August ist die 3. Auflage des Beck`schen Kurzkommentars der Gelben Reihe zur Baustellenverordnung (BaustellV) erschienen.  Drei ist auch die Zahl der Autoren – Dr. Gero Kollmer, Dimitri Ketterling und Dr. Norbert Kollmer.

Das Buch kommt in einem neuen Format daher, etwas höher und dafür weniger gedrungen. Erfreulich: der Trend zu „immer größer“ ist gebrochen, der Band ist handlich. Der Einband lässt keinen Zweifel an dem Aktualitätsanspruch – bereits auf der Banderole wird mit der Einbeziehung der neuen Coronaregeln geworben.

Ein Blick in den Kommentar zeigt auch: die Rechtsprechung ist auf dem neuesten Stand (Urteile bis 2021) und von der Quellenangabe auf die Nutzer juristischer Datenbanken abgestellt und die Urteile nicht mit Fundstellen in Zeitschriften, sondern konsequent mit Aktenzeichen und Datum angegeben.

Bemerkenswert ist der Kommentar, der sich an „Bauleiter, Architekten, SiGe – Koordinatoren, Baujuristen und Bauherren“ richtet, vor allem dadurch, dass er zu einigen Gebieten kurze, aber vollständige „Volldarstellungen“  wichtiger Rechtsmaterien bietet, zum einen zum Honorarrecht (Dimitri Ketterling) als auch zum Haftungssystem (Gero Kollmer) als auch zu dem System der Strafbarkeit der Handelnden auf dem Bau (wiederum Dr. Gero Kollmer).

Insgesamt ist das Buch doch recht „juristisch“ geraten, was man den Autoren allerdings kaum vorwerfen kann – immerhin soll es das juristische Standardwerk auf dem Gebiet sein.

Wer es gern praktisch mag, sollte an das „Praxis-Handbuch SiGeKo (Friedhelm Kring, F. Josef  Follmann, Guido Meyer, Thomas Dudek) denken, aber den „Kollmer“ griffbereit in der Nähe haben, wenn es doch spezifischer werden sollte.

Weitere Informationen

https://clevere.investments/life-insurance-settlements-ein-ethisch-vertretbares-investment-ein-gastbeitrag-von-dr-gero-kollmer/

https://euro-leaders.com/de/business-case-geschaeftsbank-ein-abschied-auf-raten-gastbeitrag-von-dr-gero-kollmer/

https://issuu.com/gerokollmer

Nikolai Odebralski: Strafverteidigung im Sexualstrafverfahren

Eine Rezension:

Der Essener Rechtsanwalt Nikolai Odebralski gehört zu den wenigen deutschen Strafverteidigern, die die Verteidigung im Sexualstrafverfahren zu ihrem Spezialgebiet erklärt haben.

Nach langjähriger Erfahrung im Bereich Sexualstrafrecht und zahlreichen Mandaten legt Odebralski jetzt ein Buch zum Thema vor. Es richtet sich vor allem an andere Rechtsanwälte, die er ermutigen will, sich mit diesem schwierigen und gesellschaftlich hoch sensiblen Rechtsgebiet zu befassen. Viele Juristen würden es aus Angst um den eigenen Ruf vermeiden, potentielle Sexualstraftäter zu vertreten, schreibt Odebralski. Für den Rechtsstaat sei das aber umso wichtiger, denn: Der Verdacht, einen materiellen Rechtsbruch begangen zu haben, nehme niemandem den Anspruch auf ein faires Verfahren und damit einen Verteidiger.

Nikolai Odebralski verfolgt mit seinem Buch einen anderen Anspruch als den eines objektiven Fach- oder Lehrbuchs oder eines juristischen Kommentars. Das zeigt sich schon an der konsequenten Perspektive des Strafverteidigers, aus der er schreibt. Damit macht er auch klar, an wen er sich richtet und was er bezweckt. Das Buch von Nikolai Odebralski ist ein Praxishandbuch für Rechtsanwälte, eignet sich aber aufgrund des juristischen Tiefgangs ebenfalls hervorragend als Nachschlagewerk für Richter und Staatsanwälte. Es sammelt Quellen, Beispiele und Urteile, die der Autor mit seiner umfangreichen Erfahrung ergänzt. Er gibt dabei auch explizite Tipps für andere Verteidiger in Sexualstrafverfahren und zeigt Besonderheiten, deren Rolle in anderen Rechtsgebieten eher untergeordnet ist. Beispielsweise widmet er sich ausführlich dem Verhältnis des Verteidigers zu seinen Mandaten und auch den anderen Verfahrensbeteiligten und macht deutlich, dass sich dabei andere psychosoziale Dynamiken entfalten können als beispielsweise bei Prozessen zu Eigentumsdelikten.

Der erfahrene Strafverteidiger Odebralski beginnt die Struktur des Buches zunächst mit dem Verhältnis des Verteidigers zu den anderen Verfahrensbeteiligten. Daran wird deutlich wie elementar die bewusste Klärung dieser Verhältnisse für die Arbeit des Verteidigers im Sexualstrafverfahren in seinen Augen ist. Im Anschluss klärt Odebralski die Grundbegriffe und strukturellen Grundlagen des Sexualstrafrechts, das in der juristischen Ausbildung ansonsten keine Rolle spielt. Dabei geht er ausführlich auf den 2016/2017 reformierten § 177 des Strafgesetzbuchs ein und erläutert die Auswirkungen der Reform und insbesondere den sogenannten neuen Nötigungstatbestand.

Im Sexualstrafverfahren kommt der Prozess-Konstellation Aussage gegen Aussage eine herausgehobene Bedeutung zu, weil sie im Vergleich mit anderen Strafprozessen überproportional oft auftritt. Nikolai Odebralski trägt dieser besonderen Bedeutung in seinem Buch Rechnung. Auf knapp 100 Seiten untersucht er die Konstellation der entgegenstehenden Aussagen minutiös, erklärt wissenschaftliche Hypothesen, erläutert die Bedingungen für Sachverständigengutachten und zählt die Anforderungen für die richterliche Beweiswürdigung in dieser besonderen Situation auf.

Nach einem kurzen Kapitel zu möglichen Geständnissen widmet sich der Autor der Strafzumessung und ihren Vorschriften sowie den Einflussfaktoren bei der Bestimmung der Strafhöhe.

Im letzten Teil geht es vor allem um das berechtigte Diskretionsinteresse von Beschuldigten. Der Anwalt erläutert Möglichkeiten, ein Verfahren zügig und möglichst frei von öffentlicher Aufmerksamkeit zu führen oder bereits im Vor- oder Zwischenverfahren zu beenden. Auch für den Umgang mit öffentlichem Interesse vor und während einer Hauptverhandlung gibt Odebralski nützliche Tipps.

Den Abschluss des Buches bildet ein kurzer Statistik-Teil, in dem der Autor vor allem auf die polizeiliche Kriminalstatistik und deren Aussagekraft eingeht. Besondere Bedeutung kommt dabei falschen sexualstrafrechtlichen Beschuldigungen zu.

Nikolai Odebralski ist es gelungen, viel Wissen und Erfahrung zum Sachgebiet in einem kompakten Handbuch zu komprimieren. Für Verteidiger, die bisher wenig Erfahrung mit der Vertretung Beschuldigter im Sexualstrafverfahren haben, ist das knapp 240 Seiten starke Werk geradezu ein Muss, weil es neben dem juristisch-fachlichen Update sehr nützliche Bausteine einer souveränen und kompetenten Verteidigung liefert und zudem praktische Tipps für das Verhältnis zu den anderen Verfahrensbeteiligten ebenso enthält wie für den Umgang mit (medialer) Öffentlichkeit.

Weitere Informationen:

https://www.rechtsanwalt-sexualdelikte.de/hausdurchsuchung-wegen-kinderpornografie-anklage-kinderpornografie-vorladung-kinderpornographie-rechtsanwalt-kinderpornographie/